Persönlichkeitsentwicklung — wie und wozu?



Manchmal wird in Gesprächen die Frage gestellt: "Was ist eigentlich Persönlichkeitsentwicklung?" — und "Brauche ich das?", und damit sind Überlegungen gemeint, wie jene, ob die Persönlichkeit sich überhaupt entwickeln kann ("Ich bin doch wie ich bin!") und ob das notwendig ist.


Generell antworte ich darauf aus meiner eigenen Lebenserfahrung: Meine Persönlichkeit (die Summe meiner Eigenschaften, die mich von anderen Menschen unterscheidet) "entwickelt" sich ohnehin ständig, auch ohne großes Zutun, ohne Training, Coaching, Therapie und Druck von außen. Es ist Teil unserer Natur als menschliche Wesen, das wir uns von Geburt an von den grundlegendsten Funktionen (Atmen, Trinken, Kontakt herstellen) bis hin zu den komplexesten "entfalten", und zwar stark abhängig davon, in welcher Umgebung wir groß werden, in welcher Zeit und an welchem Ort wir leben, welche Menschen uns umgeben und inwieweit das alles zu dem passt, was wir brauchen und vom Leben erwarten, unseren Bedürfnissen.


Ab einem gewissen Alter (meist beginnend mit unserem Erwachsenwerden in und nach der Pubertät) sind wir in der Lage, diese äußeren Bedingungen soweit zu beeinflussen, dass wir bewusst und willentlich diese "Entfaltung" immer mehr steuern können; Wir können uns aussuchen, mit welchen Menschen wir uns umgeben — wer uns inspiriert und anspornt und wer uns eher hemmt — und können so unsere Umgebung gestalten. Im günstigsten Fall kann dabei sogar sehr vieles "nachgeholt" werden, was in früheren Jahren nicht stattfinden konnte oder durch ungünstige Umstände blockiert war, und wir finden uns in einer Gestaltungsfreiheit wieder, die uns fragt: "Wer will ich ab jetzt (im Rahmen des mir Möglichen) im L


eben sein?"


Und hier sehe ich eigentlich den wichtigsten Ansatzpunkt, den ich auch in meiner Arbeit mit Menschen wichtig finde: Vom Standpunkt eines abhängigen Wesens ("Die Welt ist schlecht und gefährlich und richtet sich gegen mich!") immer mehr in eine Haltung des Vertrauens und der freien, kreativen Gestaltung der Lebensumstände zu kommen, in der vieles denkbar, möglich und erreichbar ist.


Persönlichkeitsentwicklung ist also aus meiner Sicht kein "Muss", sondern ein ohnehin natürlich stattfindender Prozess, in dem man die Umstände und Hindernisse der eigenen Entfaltung kennenlernen und anerkennen lernt: "Ah, so habe ich das bisher gemacht und das ist dabei rausgekommen. Will ich das eigentlich?" Und dieses anerkennende Verstehen und Sehen ermöglicht bereits eine Neuordnung, eine Erweiterung der bisherigen Grenzen — wir können mehr sehen, einordnen, miteinander verbinden und unseren Platz im Leben finden. Es führt uns mehr von einem passiven "So ist die Welt nun einmal!" zu einem aktiven "Was ist alles möglich?" — von Angst, Zwang und Vorsicht zu Vertrauen, Interesse und Neugier, ausgedrückt in der zentralen Frage "Wer könnte und will ich in diesem Leben sein?"


Und nachdem wir Menschen als "Beziehungswesen" angelegt sind, funktioniert das in der Verbindung mit anderen leichter als allein, vor allem wenn diese anderen eine wertschätzende, einfühlsame Atmosphäre gestalten, in der echte Entwicklung ganz von selbst, fast "nebenbei", passiert und dabei immer wieder gute Fragen auftauchen, in deren Antwort wir hineinwachsen können.



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